“Zukunftskonferenz” in Wien: “Antifeminismus und Esoterik”

Auf den ersten Blick scheint an der sogenannten “Zukunftskonferenz“, die am Wochenende in Wien über die Bühne gehen soll, nichts Besonderes zu sein: professioneller Auftritt, gesellschaftskritische Themen, namhafte Redner:innen.

Auch die renommierte Politikwissenschaftlerin Alexandra Weiss aus Innsbruck war geladen.

Diese hat ihre Zusage jedoch zurückgezogen: “Ich habe meine Teilnahme abgesagt, da hier unter anderem Referent_innen aus dem Bereich der antifeministischen Väterrechtler bis Vertreter_innen von Verschwörungstheorien und Esoteriker_innen eingeladen wurden”, begründet sie ihren Schritt auf Facebook.

Der Hintergrund: Wie eine Recherche von InnsbruckNews ergeben hat, sind neben namhaften Wissenschaftler:innen auch Personen mit fragwürdigen Positionen als Redner:innen geladen.

So etwa Eugen Bakumovski, ein angeblicher “Suchttherapeut”, der Alkoholismus laut eigenen Angaben innerhalb von fünf Tagen durch “Selbstheilungstechnik” kurieren kann. Er ist Leiter einer Medienplattform, die unter anderem mit dem rechtsextremen Magazin “Compact” kooperiert, und spricht auf der Konferenz über “bewusste Berichterstattung”.

Bakumkovski: Kooperation mit “Compact” von Elsässer

Der Redner Ernst Wolff bezeichnet die Corona-Pandemie als einen “international orchestrierten finanzfaschistischen Coup”; die derzeitgen Krisen würden von den Finanzeliten “vorsätzlich herbeigeführt”. Kritiker:innen bemängeln, dass er mit seinen Äußerungen antisemitische Codes bedient. Wolff spricht auf der Konferenz über den “Great Reset“, eine vor allem in rechtsextremen Kreisen populäre Verschwörungstheorie.

Hannes Hausbichler wird auf der Website als “ehrenamtlich engagiert für von Unrecht betroffenen Menschen” vorgestellt. In Wahrheit ist er Vorsitzender der österreichischen Männerpartei, einem offen antifeministischen Wahlverein, der die Einstellung von frauenpolitischen Maßnahmen fordert. Proteste gegen Femizide seien “Stimmungsmache” und “Hetze”, heißt es in einem Artikel. Hausbichler bezeichnet Feminismus als “menschenfeindliche Ideologie“.

Gunnar Kaiser wiederum ist ein prominenter Gegner der Corona-Maßnahmen, trat wiederholt bei Querdenker-Demos als Redner auf und verbreitet Falschinformationen zur Corona-Pandemie, so etwa zur Schädlichkeit von Masken. Zudem vertritt er Ansichten des “Great Reset” und der “Klimalüge“.

Auf Facebook wird Weiss Schritt positiv kommentiert: “Toll, dass du da Haltung zeigst!”, schreibt eine Userin. Und ein anderer kommentiert: “Sehr gute Entscheidung! Dann wer für alles offen ist, ist nicht ganz dicht.”

Die Quellen zu den Hintergründen der Personen finden sich in diesem Dokument.

Foto: Screenshots Zukunftskonferenz