Zeughaus-Areal: Spatenstich für umstrittenes Bauprojekt

Mitte November erfolgte der Spatenstich für eines der wohl umstrittensten Bauprojekte in Innsbruck: die Wohnanlage “Am Zeughaus”. 117 Wohnungen werden dort von der staatlichen Austrian Real Estate (ARE) und der gemeinnützigen Neuen Heimat Tirol (NHT) errichtet. Die Feierlichkeiten zum Baubeginn erfolgten in Beisein von Bürgermeister Georg Willi (Grüne) und der Landtagsabgeordneten Patrizia Zoller-Frischauf (ÖVP).

Zwischen 300.000 und 1,4 Mio. Euro

Die – noch zu errichtenden – 57 Eigentumswohnungen werden bereits von der ARE über das Immobilienbüro IMMA aus Aldrans zum Verkauf angeboten.

“Das Angebot richtet sich an Singles, Paare und Familien, die gerne städtisch und trotzdem naturnah in ihren eigenen vier Wänden wohnen möchten. Das Angebot reicht von 45 Quadratmeter mit 2 Zimmern bis zu maximal 156 Quadratmeter mit vier Zimmern”, so Alexandra Tryfoniuk von ARE zu InnsbruckNews.

Die Preise der Wohnungen liegen dabei zwischen rund 300.000 Euro für eine Zwei-Zimmer-Wohnung mit Wohnküche und 1,4 Millionen Euro für vier Zimmer im zwölften Stock. 1)

Miet- und Eigentumswohnungen

Bis 2023 sollen zwischen Zeughaus und Kapuzinergasse 117 Wohneinheiten sowie ein Büro entstehen. Die zwei langgestreckten Baukörpern setzen sich aus 24 und 36 Wohnungen zusammen, die von NHT und ARE errichtet werden und nach Fertigstellung von der Stadt als geförderte Mietwohnungen vergeben werden.

Im Norden des Areals wird ein zwölfstöckiger Wohnturm in den Himmel ragen. Die dort untergebrachten 57 Eigentumswohnungen werden von der ARE errichtet und sind für den Verkauf bestimmt. Sie machen rund die Hälfte der Wohneinheiten aus.

„Das Projekt hat, neben den geförderten Mietwohnungen, durch die für alle zugänglichen Grünflächen einen hohen Mehrwert für die breite Bevölkerung. In Abstimmung mit der Stadt werden auch zusätzliche Bäume gepflanzt. Ich bedanke mich bei allen Beteiligten für die Zusammenarbeit“, so Bürgermeister Willi beim Spatenstich.

INFO | Die ARE ist ein Immobilienbau- und -verwaltungsunternehmen, das sich – über die Bundesimmobiliengesellschaft (BIG) – im Eigentum der Republik Österreich befindet. Die NHT ist eine gemeinnützige Wohngenossenschaft (siehe Grafik).

Proteste: unökologisch, unsozial

Das Wohnbauprojekt wurde unter dem damaligen Planungsstadtrat Gerhard Fritz (Grüne) entwickelt und 2014 im Innsbrucker Gemeinderat mit den Stimmen von ÖVP, Für Innsbruck, Grüne, SPÖ und Piraten beschlossen. 2) Anrainer:innen und Umweltschützer:innen hatten das Vorhaben als unökologisch und unsozial kritisiert.

Die Initiative “Rettet das Zeughausareal in Innsbruck” wehrte sich jahrelang gegen die Verbauung “der letzten grünen Insel im Stadtteil Dreiheiligen” und bemängelte, dass die Stadt “mehr Luxuswohnungen in Zentrumsnähe” bauen wolle. 3) Auch die Bewohner:innen der 11 Wohnungen, die für die Neugestaltung abgerissen werden, kämpften auf juristischem Weg gegen die Absiedelung.

Im Mai dieses Jahres kam es erneut zu Protesten von Anrainer:innen, die einen Baustopp forderten. Letztendlich wurde die 175 Meter lange und 50 Meter breite Grünfläche hinter dem Zeughaus nahezu vollständig gerodet, drei Häuser abgerissen. Drei weitere sollen folgen (auf dem Satellitenbild gelb eingezeichnet). 4)

60 statt 24 geförderte Mietwohnungen

Besonderer Kritikpunkt am Projekt: der hohe Anteil an Eigentumswohnungen. Rund die Hälfte der neu errichteten Wohnungen wird verkauft, laut dem “Innsbrucker Modell” sollten freifinanzierte Eigentumswohnungen jedoch nicht mehr als 20 % ausmachen. Wie so oft wurde es auch in diesem Fall nicht angewendet.

Ursprünglich waren gar nur 24 geförderte Mietwohnungen vorgesehen: “Etwa ein Drittel der Wohnungen, die dort entstehen, sind gefördert. Der Rest ist fördernahe und freifinanziert”, so Gerhard Fritz im Jahr 2017. 5)

Beim Spatenstich hieß es nun, dass 60 geförderte Mietwohnungen und 57 Eigentumswohnungen entstehen sollen. Das Büro des Bürgermeisters konnte zu dieser Änderung auf Nachfrage keine Auskunft geben. Ob die Proteste eine Rolle gespielt haben, bleibt offen.

INFO | “Geförderte Mietwohnungen” werden von der Stadt verwaltet und zu günstigeren Konditionen nach Kriterien der Bedürftigkeit vergeben (Stadtwohnungen). “Förderungsnahe” Eigentumswohnungen werden von der Stadt von Baufirmen gekauft und auch nach gewissen Kriterien verkauft, die Preise (max. 4.000 Euro/Quadratmeter) liegen dabei unter denen des Marktes. “Freifinanzierte” Wohnungen werden nach üblichen Preisen auf dem Immobilienmarkt verkauft. Mehrere Parteien haben sich verpflichtet, bei neuen Wohnprojekten einen Schlüssel von 50 % geförderten, 30 % förderungsnahen und 20 % freifinanzierten Wohnungen vorzugeben. In der Praxis wird dieses “Innsbrucker Modell” kaum angewandt.

Quellen:
1) https://immo.tt.com/firmenverzeichnis/IMMA-IMMOBILIEN-MARK
2) https://www.innsbruck.gv.at/page.cfm?vpath=buergerinnen–politik%2Fgemeinderat%2Fgemeinderatssitzungen&genericpageid=15650&fbclid=IwAR3lzWMZhw9FcDaiR938cfh-0j5VZH4MYLlRdu3kT4fyfaY9wCv1ZXnXVXc
3) https://www.facebook.com/rettetdaszeughausareal/
4) https://aibk.org/baume-am-zeughaus-gefallt/
5) https://www.meinbezirk.at/innsbruck/c-lokales/150-neue-wohnungen-und-ein-hochhaus_a2090853