Zeughaus-Areal: “Leistbarer Wohnraum” für 1,4 Millionen Euro?

Am Zeughaus entstehen derzeit Luxuswohnungen für bis zu 1,4 Millionen Euro, errichtet vom staatlichen ARE-Konzern. Dessen Engagement im Luxus-Segment stieß bereits 2019 bei einer Überprüfung durch den Rechnungshof auf Kritik – das Unternehmen müsse “leistbaren Wohnraum” schaffen. Davon ist auch in Innsbruck keine Rede.

Neben Mietwohnungen baut die ARE am Zeughaus-Areal in Innsbruck 57 Eigentumswohnungen (wir berichteten). Die Preise: 300.000 Euro bis 1,4 Millionen. Kein Einzelfall, wie ein Blick in den Rechnungshof-Bericht von 2019 zeigt.

Aufgabe der bundeseigenen Immobilienfirma ARE ist die Schaffung von Eigentumswohnungen im mittleren Preissegment, hält das 2015 von der Bundesregierung beschlossene Investitionsabkommen fest. Angesichts der Preisentwicklungen solle zudem “vermehrt leistbaren Wohnraum und Möglichkeiten für den Erwerb von Eigentumswohnungen”, ergänzte diese 2017.

Rechnungshof: Bau von Luxuswohnungen steht “Zielsetzungen entgegen”

Diese Ziele werden jedoch nicht eingehalten, so der Rechnungshof: “Die ARE [forciert] im Rahmen des Investitionsprogramms auch den Wohnungsbau im Premiumsegment. So bot sie beispielsweise im Dezember 2017 im 4. Wiener Gemeindebezirk Wohnungen für den ‘gehobenen Lebensstil’ an. Der Kaufpreis einer Wohnung von 200 m2 betrug 1,96 Mio. EUR.”

Und weiter: “Der RH bemängelte, dass die Immobilienentwicklung der ARE im Premiumsegment dem Ziel der Bundesregierung zum Bau von Mietwohnungen im mittleren Preissegment und von kleineren bis mittelgroßen Wohnobjekten sowie den gesamtstaatlichen Zielsetzungen zur Schaffung leistbaren Wohnraums entgegenstand.”

Trotz dieser Kritik hielt die ARE am Zeughaus-Projekt fest.

Ein Immobilienkonzern “auf Abwegen”

Die Wohnbausprecherin der SPÖ, Ruth Becher, kritisierte diese Entwicklungen im Juni im Parlamentsausschuss: „Luxuswohnungen mit Preisen jenseits einer Million Euro und aktuelle Bauprojekte mit Quadratmeterpreisen jenseits von 10.000 Euro belegen, dass sich die ARE auf Abwegen befindet“, so Becher. Steuermittel würden zum Anheizen der Eigentums- und Mietpreise verwendet.

Zudem kritisierte sie die “Verflechtungen der Gesellschaft mit Immobilienmagnaten wie Rene Benko” und die “personellen Überschneidungen mit dem Freundeskreis von Sebastian Kurz”. Als besonderen Irrweg sieht Becher das Auslandsengagement: „Dass Österreich als Spekulant an Immobilien-Krisengebieten wie München mitmischt, versteht in Europa niemand”, heißt es in der Aussendung.

Auch viele Innsbrucker:innen verstehen nicht, warum der Immobilienkonzern in Innsbruck Luxuswohnungen baut – während sie nicht wissen, wie sie ihre Miete zahlen sollen. Wie berichtet errichtet die ARE am Zeughaus unter anderem einen Wohnturm mit Luxuswohnungen. Das Projekt war 2014 vom Gemeinderat mit den Stimmen von ÖVP, Für Innsbruck, Grüne, SPÖ und Piraten genehmigt worden.