▶ 10 Straßen nach Nazis und Nationalisten benannt ▶ Nur 7 % würdigen Frauen

Die Umbenennungs-Aktion am am Adolf-Pichler-Platz hat einigen Staub aufgewirbelt. Aktivist:innen hatten die Tafeln mit dem Namen der Bergsteigerin Cenzia von Ficker überklebt. Damit sollte auch darauf hingewiesen werden, dass Frauen* im öffentlichen Raum unterrepräsentiert sind.

Zu Recht: Von den rund 300 Personen, nach denen eine Straße in Innsbruck benannt ist, sind lediglich sieben Prozent Frauen*.

Im Zuge der Aktion wurde auch Adolf Pichlers nationalistische Einstellung kritisiert. Im Netz hatten einige User:innen auf weitere problematische Straßennamen in Innsbruck verwiesen.

Bei einer Durchsicht der Innsbrucker Straßennamen wird schnell klar: Das Inventar ist voll von historischem Ballast. Zahlreiche Monarchen sind verewigt, etliche Straßen nach Kriegsschauplätzen und Generälen benannt. Auch äußerst prominent vertreten: Das Führungspersonal der konservativen Kämpfer von 1809.

Besonders brisant: Etliche Straßennamen erinnern immer noch an Nazis und Nationalisten. Zehn Straßennamen sind dabei besonders umstritten:

Burghard Breitner (1884-1956) war NSDAP-Mitglied und als für die Durchführung von nachweislich 36, vermutlich rund 80 Zwangs-Sterilisierungen im Sinne der NS-Gesundheitspolitik in Tirol verantwortlich. Er kandidierte bei der Bundespräsidentschaftswahl 1951 für den Verband der Unabhängigen (VdU), dem Sammelbecken ehemaliger NSDAP-Mitglieder.

Igo Etrich (1879-1967), NSDAP-Mitglied, wollte “an der Lösung der großen technischen Probleme mitwirken, welche dem deutschen Volk durch den Raumgewinn im Osten erwachsen werden”.

Ferdinand Exl (1875-1942) war schon Mitglied in der illegalen NSDAP und spielte mit seiner Theatergruppe für Wehrmacht und SS, unter anderem im KZ Auschwitz.

Valentin Feurstein (1885-1970) war als General der Wehrmacht an den NS-Expansionskriegen federführend beteiligt und unter anderem für die Erschießung von vier Kriegsgefangenen verantwortlich.

Josef Eduard Ploner (1894-1955) war aktiver Nationalsozialist und glorifizierte in seinen Werken die nationalsozialistische Bewegung und die “arische Herrenrasse”.

Arthur von Wallpach (1866-1946) war Mitglied der antisemitischen, nationalistischen Vereinigung Jung-Tirol und publizierte noch 1945 Durchhaltegedichte für die Nazis.

Joseph Georg Oberkofler (1889-1962) begrüßte den Anschluss an Nazideutschland öffentlich, vertrat eine Blut-und-Boden-Ideologie und fand bei den Nazis große Anerkennung.

Friedrich Ludwig Jahn (1778-1852), bekannt als Turnvater Jahn, war glühender Nationalist, vertrat rassistische und antijüdische Anschauungen und träumte von einem “Großdeutschland”.

Anton Müller (1870-1957), bekannt als Bruder Willram, veröffentlichte nationalistische, kriegsverherrlichende Hetzgedichte im 1. Weltkrieg.

⬆ Der erwähnte Adolf Pichler (1819-1900) vertrat nationalistische und antisemitische Ideen und wünschte “die Morgenröte neuer Größe, neuer Herrlichkeit dem viel duldenden deutschen Volke”.

Nur in zwei Fällen wird auf diese Aspekte durch Zusatztafeln hingewiesen. Selbst bei Burghard Breitner sprach sich die Stadtregierung vor Kurzem gegen eine Umbennung aus – trotz einer anderslautenden Empfehlung der Historikerin Ina Friedmann von der Universität Innsbruck.

Link: Liste der Straßennamen Innsbrucks (Wikipedia)
Fotos: verschiedene Quellen