Rechtsradikaler Gemeinderat nach Demo an Corona erkrankt

Der freie Schwazer Gemeinderat Benjamin Kranzl ist an Corona erkrankt. Einige Tage vorher hatte er an einer stark besuchten Corona-Demo teilgenommen – eine Maske trug er dabei nicht. Ideologisch steht Kranzl der neofaschistischen Gruppierung der “Identitären” nahe.

Die letzte Sitzung des Schwazer Gemeinderats in diesem Jahr fand ohne ihn statt: Benjamin Kranzl, freier Gemeinderat in Schwaz, hat in einer Videobotschaft mitgeteilt, mit Corona infiziert zu sein.

“Mich hat es scheinbar erwischt. Ich habe angeblich Corona“, so Kranzl noch recht skeptisch in einem ersten öffentlichen Video. Ein PCR-Test letzte Woche sei positiv gewesen, er befindet sich in Quarantäne. Mittlerweile hat er leichte Symptome, der Verlauf ist mild. Aufgrund einer Vorerkrankung hoffe er, dass es so bleibt, erklärt er nun.

Einige Tage zuvor hatte Kranzl an der von mehreren Tausend Personen besuchten Corona-Demonstration in Innsbruck teilgenommen und postete Selfies davon im Internet. Eine Maske trug er dabei nicht.

Der gebürtige Wiener trat 2000 der FPÖ bei, war Obmann des RFJ Schwaz und wurde 2017 nach einem rassistischen Vorfall aus der FPÖ ausgeschlossen. Kranzl hatte an einem Spanferkelessen des RFJ teilgenommen, auf Facebook veröffentlichte er Fotos davon und den Kommentar „Ramadan mit dem RFJ Schwaz“. Der Schweinskopf wurde später auf dem Gelände eines türkischen Kulturvereins gefunden.

Kranzl tritt 2022 wieder zur Gemeinderatswahl an. In seinem Wahlprogramm spricht er sich unter anderem gegen “trojanische Masseneinwanderung”, die die “gesellschaftliche Harmonie” bedrohe, aus.

Ideologisch steht er der neofaschistischen Gruppierung der “Identitären” nahe, zu der er Beziehungen pflegt. Die Gruppierung hatte unter anderem Spenden vom Christchurch-Attentäter erhalten, der 2019 in Neuseeland 51 Menschen ermordete.

Regelmäßig veröffentlich Kranzl Fotos von Aufmärschen der Gruppe, 2017 nahm er selbst am Kahlenberg-Marsch der Identitären Bewegung teil, zu der rund 100 Neofaschisten aus ganz Europa angereist waren. 2019 solidarisierte er sich der TT gegenüber mit der Gruppe.

In Sozialen Netzwerken macht er Werbung für Einrichtungen und Personen aus dem Umfeld der Identitären. Erst vor Kurzem bewarb er die “Kulturfestung”, eine Einrichtung der Identitären in der Steiermark, ebenso wie Jakob Gunacker, Bundesleiter und Kassenwart einer Nachfolgeorganisation der Identitären. Der Neofaschist Gunacker “schafft Hoffnung und Zuversicht”, schreibt Kranzl.

Seit geraumer Zeit beteiligt sich Kranzl bei Corona-Demos in Innsbruck und anderen Städten. Er betont, “von Anfang an gegen die C-Maßnahmen” gewesen zu sein, wiewohl er sich 2020 mehrfach für strengere Maßnahmen ausgesprochen hatte.

Foto: schwarze feder ibk (Symbolbild); Screenshots Facebook