▶ Novemberpogrom 1938: Stadtrundgang & Gedenken ▶ Innsbruck blutigster Schauplatz

Es war der Auftakt zur systematischen Vertreibung und Verfolgung der Jüd*innen in Deutschland und Österreich: In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938, von Mittwoch auf Donnerstag, starteten die Nazis gewalttätige Angriffe auf Jüdinnen und Juden und jüdische Einrichtungen.

Mehr als 1400 Synagogen und Versammlungsräume sowie tausende Geschäfte, Wohnungen und jüdische Friedhöfe wurden zerstört. Im Zuge dieser Ausschreitungen wurden mehrere hundert Jüdinnen und Juden umgebracht, zahlreiche weitere nahmen sich das Leben. Die Gewalt wurden als “Volszorn” inszeniert, jedoch von der NS-Führung angeordnet.

Beschmierte Fassade des “Tanzcafé Schindler” in Innsbruck

Innsbruck war, gemessen an der Bevölkerung und der Größe der jüdischen Gemeinde, einer der blutigsten Schauplätze im gesamten damaligen Deutschen Reich (Deutschland und Österreich, Teile Tschechiens und Polens). Vier Menschen wurden von den Nazis ermordet, zwei nahmen sich aus Verzweiflung das Leben:

Richard BergerWilhelm Bauer und Richard Graubart wurden in dieser Nacht ermordet und viele schwer verletzt. Josef Adler erlag seinen Verletzungen zwei Monate später. 18 Männer wurden vorübergehend in Schutzhaft genommen. Die Wohnungen der meisten damals noch nicht ausgewanderten Juden und Jüdinnen schwer beschädigt, zwei Geschäfte geplündert sowie die Einrichtung der Synagoge zerstört.

www.novemberpogrom1938.at/

Bei einem Stadtrundgang gedachten etliche Innsbrucker*innen den Ereignissen vor 82 Jahren. Unter anderem hatte Innsbruck Obdachlos dazu aufgerufen. Die Gruppe junger und älterer Antifaschist*innen traf sich sich am Westfriedhof bei der Gedenktafel für die von den Nazis ermordeten Jüd*innen, wo Kränze niederlegt wurden. Über die Anichstraße ging es zum Pogromdenkmal am Landhausplatz und zur Synagoge der Israelischen Kultusgemeinde in der Sillgasse.

“Besonderer Tatort ist das Haus in der Anichstrasse 5. In diesem Haus gab es die ersten Morde. Prekär ist, dass im selben Haus und derselben Wohnung des Mordes die neofaschistische FPÖ ihr Bürgerbüro hat”, schreibt die Gruppe in einer Aussendung.

Und weiter: “Wir lassen die Opfer niemals in Vergessenheit geraten. Nicht nur gestern, heute und morgen gedenken wir, sondern an jedem Tag, an dem der Rassismus und Faschismus in Österreich salonfähig gemacht wird. Kein Vergeben, kein Vergessen!”

Weitere Informationen:
novemberpogrom1938.at – Hintergründe der Pogrome in Innsbruck
pogrom-erinnern.at – virtueller Stadtrundgang zu den Schauplätzen in Innsbruck

Fotos: Gruppe Stadtrundgang, ORF Tirol