▶ “Höttinger Saalschlacht” vor 89 Jahren ▶ Widerstand gegen Nazi-Bewegung

Auf der Einladung stand “Juden bleiben zuhause”: Am 27. Mai 1932 sollte in der damals noch eigenständigen Gemeinde Hötting im Gasthof “Goldener Bär” eine Versammlung der NSDAP stattfinden.

Die Nazi-Bewegung gewann Anfang der 30er-Jahre österreichweit immer mehr an Boden.

Die Veranstaltung im sozialdemokratisch geprägten Hötting wurde von den Einwohner:innen als Provokation empfunden. Sie sollte nicht unbeantwortet bleiben.

Sozialist:innen und Kommunist:innen riefen zu einer Demonstration in Mariahilf auf, diese wurde jedoch von der Gendarmerie nicht nach Hötting durchgelassen.

Als gegen 20 Uhr ein SA-Trupp mit 80 Uniformierten aufmarschierte, befanden sich bereits zahlreiche Einwohner:innen im Lokal, darunter etliche Linke. Sie wollten der Ausbreitung der Nazi-Bewegung nicht tatenlos zusehen und – entgegen der Parteilinie – auch kämpferische Mittel einsetzen.

Nachdem die ebenso bewaffneten SA-Männer das Lokal mit “Heil Hitler” betreten hatten, entstand rasch ein blutiges Handgemenge.

“Im Verlaufe dieser nur einige Minuten dauernden, aber umso heftigeren, mit Biergläsern, Stühlen, Haselnussknüppeln, Messern und einzelnen Pistolenschüssen geführten Saalschlacht wurden die Gegner der Nationalsozialisten von diesen und einigen Gendarmen aus dem Saal gedrängt. Insgesamt wurden dabei 16 Sozialdemokraten und Kommunisten und 19 Nationalsozialisten ‘erheblich’ verletzt”, so ein Zeitungsbericht. Ein SA-Mann verstarb in der Folge an seinen Verletzungen.

Der Polizei gelang es nur mit Mühe, die sich vor dem Lokal rasch angesammelte Menschenmenge zurückzuhalten, noch bis spät in die Nacht kam es in Hötting und Mariahilf zu Auseinandersetzungen.

Zwar war die “Saalschlacht” an sich erfolgreich, sie konnte jedoch den weiteren Aufstieg der Nazis nicht verhindern, da sich die konservativen Kräfte nach rechts radikalisierten und so der NS-Bewegung den Boden bereiteten.

Als Beispiel für den Widerstand gegen den Nationalsozialismus findet die Höttinger Saalschlacht immer noch Beachtung, auch heuer brachten Aktivist:innen im Stadtgebiet entsprechende Plakate an.

In der Schneeburgstraße 31, Standort des ehemaligen “Goldenen Bären”, ist das traditionelle Gasthausschild noch zu besichtigen. Um 1970 war im Keller des Gebäudes der alternative Uptown Jazz Saloon untergebracht.

Mehr Informationen: aksaalschlacht

Fotos: Redaktion / Subkulturarchiv