Corona-Demo: Innsbruckerinnen „beschimpft und bespuckt“

Sie geben sich “friedlich” und “bunt”, die Teilnehmer:innen der Corona-Demos. Laura (20) aus Innsbruck hat andere Erfahrungen gemacht. Mit ihren Freundinnen und Schildern “gegen Nazis” hat sie sich an den Rand der Demo gestellt. Die Reaktionen waren heftig.

Laura (Name geändert) aus Innsbruck berichtet von ihren Erfahrungen mit Teilnehmer:innen der Corona-Demo am Sonntag. Zusammen mit drei Freundinnen – alle sind um die 20 Jahre alt – besuchte sie zunächst die Kundgebung „Solidarität gegen Verschwörungsideologie und Antisemitismus“ der Sozialistischen Jugend Tirol an der Annasäule.

“Beschimpft und angepöbelt”

„Alle paar Sekunden wurden wir von Leuten, die zur Anti-Corona-Demo gingen, beschimpft und angepöbelt“, erzählt Laura. Also nahmen sie Papiertüten und Stifte und schrieben Sprüche wie „Kein Gott, kein Staat, kein Patriarchat“ und „Schöner Leben ohne Nazis“ hinauf. Im Anschluss begaben sie sich zum Landhausplatz und stellten sich damit friedlich an den Rand der Demonstration gegen die Corona-Maßnahmen.

Hitlergruß aus der Menge

Die Reaktion der Demo-Teilnehmer:innen fiel heftig aus, offensichtlich fühlten sich zahlreiche Personen angesprochen: „Mir würde vor die Füße gespuckt. Ich habe einen Hitlergruß gesehen und wir wurden ständig äußerst unsympathisch angemacht“, so Laura. „Wir wurden als ‚linke Faschos‘ und ‚Mörder‘ beschimpft. Wir wurden von allen Seiten stark bedrängt und drei Typen sind uns sehr nah gekommen.“ Einigen Minuten riefen sie daher Sprüche wie “Es gibt kein Recht auf Nazipropaganda”, dann verließ die Gruppe den Platz wieder, sichtlich aufgewühlt.

Polizei: “Schleichts eich!”

Kurz darauf wurden Laura und ihre Freundinnen am Boznerplatz von der Polizei angehalten. Die Polizisten machten Fotos der jungen Frauen und drohten mit Gefängnis, sollten sie sich nicht entfernen: „Wenn’s ihr euch nicht sofort schleichts kommt’s ihr alle in Häfn“, rief ein Polizist der Gruppe zu. Auf dem Heimweg wurde sie von Zivilpolizisten abgefangen, die die Daten von Laura und ihren Freundinnen aufnahmen. Eine andere Gruppe Antifaschist:innen war an dem Tag von der Polizei gekesselt worden, Journalisten wurden an ihrer Arbeit gehindert (wir berichteten).

Solidarität gegen Repression

Antirepressions-Gruppen raten bei Polizeikontrollen zu einer konsequenten Aussageverweigerung und solidarischer Hilfe untereinander. Bei einer Personalienkontrolle müssen nur Vor- und Nachname, Geburtsdatum und Meldeadresse sowie gegebenenfalls die Staatsbürger:innenschaft angegeben werden. Es empfiehlt sich, unmittelbar danach ein Gedächtnisprotokoll anzufertigen (mehr Infos hier). Betroffene können sich an die Gruppe Antirep Ibk (anzeigebekommen_ibk@riseup.net) wenden.

Fotos: Anonym, schwarze feder ibk