▶ Bäume am Zeughaus gefällt ▶ “Ein Geschenk für Investoren”

Am frühen Vormittag rückte der Harvester an: Während Anrainer:innen noch mit Vertreter:innen von Medien und Politik diskutierten, fielen die ersten Bäume durch die Säge der Baumfällmaschine.

Am Nachmittag war das “unwiederbringliche Naturgut”, wie es Expert:innen bezeichneten, dann dem Erdboden gleichgemacht. Aufgeschichtet, niedergesägt. Dutzende jahrzehntealte Bäume mussten für ein höchst umstrittenes Bauprojekt weichen.

Denn: Die staatseigene BIG (Bundesimmobiliengesellschaft) will auf dem Zeughaus-Areal einen lukrativen Wohnkomplex errichten, inklusive zwölfstöckigem Turm mit hochpreisigen Verkaufswohnungen.

“Ein Geschenk für Investoren”, finden Anrainer:innen ebenso wie Mesut Onay (Alternative Liste), der sich vor Ort ein Bild gemacht hat: “Die Immobilienspekulation in Innsbruck wird weiter angeheizt.”

Dabei bräuchte es mehr leistbaren Wohnraum, so der Tenor.

Im Vorfeld der Rodung hatte es Proteste gegeben. Aktivist:innen hatten bis zum Schluss versucht, einen Aufschub der Fällarbeiten zu erreichen. Denn auch bedrohte Tierarten hatten in dem Areal eine Heimat gefunden. Doch die Bauleitung dürfte Wind davon bekommen haben, und hat Tatsachen geschafft.

Eine Anrainerin mit Gehhilfe, die seit den 60er-Jahren auf dem Areal wohnt, muss bestürzt mitansehen, wie ihr Garten planiert wird. Ein Junge der angrenzenden Schule bleibt, bis der letzte Baum zu Boden fällt. “Haltet durch”, hatte er den Aktivist:innen zuvor zugerufen.

Es sollte anders kommen.

Indes geben sich die Aktivist:innen kämpferisch: Ein Baumschutzgesetz muss her, ebenso wie eine andere Wohnbaupolitik. Soziales und Nachhaltigkeit müssten im Vordergrund stehen, nicht Profit und Beton.

“Bin wütend, traurig und eigentlich sprachlos über diese Vorgehensweise”, so Michaela Krunic, die mit einer Petition mobilisiert hat.

“Wir brauche einen Kurswechsel. Wir brauchen eine soziale Wohnbaupolitik, keine Luxuswohnungen für Investoren. Wir brauchen Schutz für ökologische Nischen und Erholungsräume, keine Beton- und Asphaltwüsten”, schreibt die Initiative “Zeugi bleibt” auf Facebook.

Und: “Der Kampf für eine sozial und ökologisch nachhaltige Stadt hat gerade erst begonnen.”

Siehe auch: Protest gegen Verbauung des Zeughausareals

Fotos: Zeugi bleibt / Retten Wir Gemeinsam Die Bäume