▶ Antifaschist:innen blockieren erfolgreich rechte Corona-Demo ▶ Kritik am Vorgehen der Polizei

Bei der Triumphpforte war kein Durchkommen mehr: Rund 150 Aktivist:innen haben den Aufmarsch mehrerer hundert rechter Corona-Leugner:innen blockiert.

Wie berichtet war die Demonstration der Corona-Leugner:innen nicht angemeldet. Der rechtsgesinnte Initiator Martin Rutter, der noch bis zuletzt behauptet hatte, den “Spaziergang” angemeldet zu haben, tauchte erst gar nicht auf.

Rechtsextreme Ordner und “Arbeit macht frei”-Rufe

Wer hingegen dabei war: B. K. aus Schwaz war als Ordner aktiv, wie Fotos belegen. K. wurde aus der FPÖ ausgeschlossen, nachdem er wegen einer rassistischen und religionsfeindlichen Aktion verurteilt worden war. Danach machte er als Aktivist der rechtsextremen Identitären Bewegung von sich Reden.

Die Corona-Leugner:innen, die sich neben der angemeldeten antifaschistischen Kundgebung an der Annasäule gesammelt hatten, zogen schließlich – von “Alerta Antifascista”-Rufen begleitet – über die Museumsstraße zum Bahnhof: dicht gedrängt, die meisten ohne Maske.

Zahlreiche Teilnehmer:innen der Demonstration waren dem patriotischen und nationalistischen Lager zuzuordnen, auch Rechtsextreme marschierten mit: “Geht’s doch was arbeiten!”, rief ein Teilnehmer den Antifaschist:innen zu, sein Begleiter ergänzte lachend: “Arbeit macht frei!”

Blockade bei der Triumphpforte

Dort wurde ein erster Blockadeversuch der Antifaschist:innen von der Polizei verhindert. Über die Salurnerstraße gingen die Corona-Leugner:innen schließlich zur Triumphpforte, von wo aus sie wieder zum Ausgangspunkt zurückkehren wollten.

Doch die Antifaschist:innen hatten sich inzwischen in der Maria-Theresien-Straße auf der Höhe des Intersport Okay positioniert und machten ein Durchkommen unmöglich: Mit mehreren Bannern blockierten sie die Straße, um die Rückkehr des Demozuges zur Annasäule zu verhindern.

Mit Erfolgt: Die Corona-Leugner:innen machten kehrt, ein Teil trat den Heimweg an, rund die Hälfte der Teilnehmer:innen erreichte schließlich über einen Umweg den Marktplatz. Dort wurden sie wieder von antifaschistischen Sprechchören empfangen, der rechte Demonstrationszug löste sich schnell auf.

Antifaschistische Blockade bei der Triumphpfote

Kritik am Vorgehen der Innsbrucker Polizei

Das Vorgehen der Innsbrucker Polizei wirft viele Fragen auf. Nicht nur, dass sie die nicht angemeldete Demonstration der rechten Corona-Leugner:innen nicht verhinderte und den Demonstrationsmarsch schützend begleitete – sie leistete dem illegalen Aufmarsch aktiv Schützenhilfe, wie Kritiker:innen festhalten.

Während die rechten Corona-Leugner:innen unbehelligt durch die Straßen der Innenstadt ziehen konnten, ging die Polizei unter Androhung einer gewaltsamen Räumung gegen die Blockade der Antifaschist:innen vor. Sie versuchte, dem illegalen Aufzug der Corona-Leugner:innen die Straße freizuräumen. “Dieses Vorgehen ist absolut unverständlich und inakzeptabel”, so eine Teilnehmerin. “Die Polizei macht sich zum Schlägertrupp rechtsradikaler Corona-Spinner.” Die Polizei löste die Versammlung auf, zwei Transparente und Schilder der Antifaschist:innen wurden beschlagnamt.

Doch nicht nur das: “Die Polizei leistete aktive Mithilfe beim Zustandekommen des rechten Demonstrationszuges. Auf einem Video ist zu sehen wie die Polizei den Aufmarsch regelrecht koordiniert”, so eine Antifaschistin, die vor Ort war. Richtig ist: Nachdem keine Versammlungsleitung zu finden war – weder Rutter noch andere Organisatoren waren zugegen – organisierte die Polizei einen: “Do find i schon oan”, ist ein leitender Polizeibeamter in besagtem Video zu hören.

“Der oanzige Weg, wie mir des dermochn”

Danach berät er die Corona-Leugner:innen, wie sie durch die Stadt ziehen können: “Es seits olles normale Leit”, sagt er zu den Umstehenden. Da die antifaschistischen Gruppen mehrere Plätze mit angemeldeten Kundgebungen besetzt hatten, müsse eine andere Route gefunden werden: “Jetzt tatn mir empfehlen, des isch der oanzige Weg wie mir des Gonze dermochn, eine andere Route zu wählen.” Sie sollen doch über den Sparkassenplatz gehen, dann würden die Standkundgebungen umgangen.

Doch noch während das beratende Gespräch läuft, setzen sich die Corona-Leugner:innen in Bewegung und ziehen los, über die Museumsstraße. “Die Polizisten haben gemeint, wir sollen ihre Route nehmen, die sie vorgeben“, ist ein Demoteilnehmer noch im Video zu hören.

“Anstatt die illegale Versammlung der Corona-Leugner:innen zu unterbinden, organisiert die Polizei einen Veranstaltungsleiter, gibt Tipps für die Route und räumt den Demonstrierenden den Weg frei. Es stellt sich die Frage, wer hier wen begleitet hat – die Polizei die rechten Demonstrierenden oder die Demonstrierenden die Polizei“, so die Aktivistin abschließend zu InnsbruckNews.

Link zum Video: https://fb.watch/2PTOLV8mx8/

Fotos: Christian Niederwolfsgruber
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Letztes Update: 5.1.2020, 10:00 h