▶ 700 Teilnehmer:innen bei “Grenzen töten”-Demo ▶ Polizeikessel und Pfeffersprayeinsatz

Über 700 Personen waren dem Aufruf mehrerer antirassistischer und linker Gruppen gefolgt und hatten sich um 14 Uhr bei der Annasäule versammelt. Protestiert wurde gegen rassistische Grenzpolitik und Abschiebungen sowie für die Aufnahme Geflüchteter aus den Lagern in Bosnien und Griechenland.

Der Demonstrationszug bewegte sich über den Adolf-Pichler-Platz und die Anichstraße zur Triumphpforte. Vor dem ÖVP-Sitz in der Fallmerayerstraße und vor dem Grünen Büro fanden Zwischenkundgebungen statt, die FPÖ-Zentrale wurde mit “Ganz Innsbruck hasst die FPÖ”-Sprüchen passiert. Die Polizei begleitete die Demo mit einem massiven Aufgebot.

In der Templstraße dann die Eskalation: Auf der Höhe der Michael-Gaismair-Straße schnitten Polizeikräfte den hinteren Teil des Demozuges vom Rest ab und kesselten ihn ein (hier im Video). Auf den Versuch, weiterzugehen, reagierte die Polizei mit einem unerwartet massiven Einsatz von Pfefferspray. Mehrere Personen wurden durch das Reizgas verletzt und mussten von Sanitäter:innen versorgt werden.

Eine Augenzeugin berichtet: “Die Polizei hat plötzlich und ohne Angabe von Gründen einen weiteren Teil der Demo eingekesselt (mich eingeschlossen), also vollständig umschlossen und zusammengedrückt. Nach ein paar Minuten des Eingesperrtseins, ohne dass wir die Möglichkeit gehabt haben, dem zu entkommen, hieß es plötzlich wieder ohne Angabe von Gründen dass diese Demo aufgelöst sei. Kurz darauf ging die Polizei mit Pfefferspray bewaffnet auf alle Personen im Kessel los, sodass mehrere Betroffene sofortige medizinische Versorgung benötigten. Ich selbst habe Pfefferspray zum Glück nur leicht ins Gesicht bekommen sowie ein angeschlagenes Handgelenk beim polizeilichen Entreißens der Demo-Banner.”

Pfefferspray und Schlagstock gegen antifaschistischen Demoblock

Es entstand eine tumultartige Situation, Personen wurden zu Boden gestoßen. Teilnehmer:innen mit Kindern und Haustieren versuchten sich in Sicherheit zu bringen. Im Anschluss erklärte die Polizei die Demonstration für aufgelöst (hier im Video). Begründung: Die Abstandsregeln seien nicht eigenhalten worden. Durch die Kesselung wurden die Teilnehmer:innen eng zusammengedrängt. Ein Teil der Eingekesselten wurde zur Identitäsfeststellung festgehalten, der Rest wurde zur Müllerstraße hin abgedrängt.

Pressevertreter:innen wurden von Polizisten an ihrer Arbeit gehindert, Sanitäter:innen konnten teilweise nicht zu den Verletzten durch: “Die Innsbrucker Polizei wird erklären müssen, warum sie Sanitäter nicht zu Verletzten durchlässt. Einer Frau, vom Pfefferspray fast ohnmächtig, durfte minutenlang nicht geholfen werden”, schreibt F. B. auf Twitter. Laut Polizeimeldung von Sonntagmorgen wurden 18 Personen festgenommen und 119 angezeigt, überwiegend wegen “Nichteinhaltung des Mindestabstandes” und “versuchtem Widerstand gegen die Staatsgewalt”.

Teilnehmer:innen kritisieren das Vorgehen der Polizei als ungerechtfertigt und überzogen: “Alle hatten den Mundschutz oben, das wurde von der Polizei an der Annasäule auch kontrolliert. Die Abstandsregeln wurden eingehalten so gut es eben ging. Im Kessel waren wir dann dicht an dicht zusammengedrängt”, erklärt eine Aktivistin. “Die Polizei war eindeutig auf Eskalation aus”, meint ein Teilnehmer. “Es gab keine Vorwarnung.”

Bereits Anfang Januar war die Polizei gewaltsam gegen antifaschistische Demonstrierende vorgegangen, während Corona-Leugner:innen ohne Mundschutz durch die Innenstadt eskortiert wurden.

Fotos: Redaktion
Video: juli.atan / Instagram