▶ “120 Schuss für Pam”: Hetze auch in Tiroler Telegram-Gruppen ▶ Erneute Corona-Demo mit Gegenprotesten

Seit Wochen warnen unabhängige Journalist:innen wie der Presse Service Wien vor der Unterwanderung der Corona-Proteste durch rechtsextreme und gewaltbereite Personen und Gruppen. Nun hat auch das Innenministerium Stellung bezogen, der Verfassungsschutz ermittelt. Über die Einflussnahme von Rechtsextremen bei den Corona-Demonstrationen haben wir bereits ausführlich berichtet.

Nun liegen Belege vor, dass es auch in Tiroler Telegram-Gruppen zu Gewaltphantasien und Todesdrohungen gekommen ist: So schreibt S. F., sie habe für die SPÖ-Vorsitzende Pamela Rendi-Wagner “nit nur a Rakete aufkalten, sondern a 120 Schuss Box“; “Gute Idee”, antwortet der User A.

M. F.-G. wiederum meint, man müsse sich ein Vorbild an den Gelbwesten nehmen: “ist zwar nicht immer legal oder ohne Gewalt aber anders geht es anscheinend nicht dass man die Aufmerksamkeit bekommt”. Es müsse Gleiches mit Gleichem vergolten werden, wenn sich die Staatsgewalt aggressiv verhalte.

Das sehr aktive Mitglied “11F!_00” postete das Bild einer Todeszelle und schreibt: “Mental Grab i schon Löcher im Garten…” Und M. F. stellte mehrfach das Bild eines Galgens in die Gruppe, Untertitel: “Government Repair Kit” – “das einzige was wirklich hilft”, erklärt er.

In all diesen Fällen erfolgte keine Distanzierung oder Maßregelung durch andere Gruppenmitglieder oder durch die Administrator:innen. Auch Rechtsextremismus wird nicht als Problem wahrgenommen. Beobachter:innen befürchten deshalb eine weitere Radikalisierung der Gruppen.

Erneute Demonstration und Gegenproteste

Am gestrigen Mittwoch zogen erneut mehrere hundert Gegner:innen der Corona-Maßnahmen unter massivem Polizeischutz durch die Innenstadt. Das Abstandsgebot wurde kaum eingehalten, rund die Hälfte der Teilnehmer:innen trug keinen Mundschutz.

Laut Berichten von Teilnehmer:innen war die Polizei dieses Mal stärker darum bemüht, die Maskenpflicht durchzusetzen. Die Versammlung musste sogar etwas früher als geplant aufgelöst werden, da sich viele der Teilnehmer:innen nicht an die Corona-Schutzmaßnahmen gehalten hatten.

Die Veranstaltung war von Sophie Royer, Inhaberin der Reformläden “Sophie’s Biowelt”, organisiert. Die Demonstration wurde in den oben genannten Tiroler Telegram-Gruppen, in denen sich rechten Corona-Leugner:innen vernetzen, stark beworben. Im Anschluss teilte Royer auf Facebook den Bericht des rechtsextremen Schwazer Gemeinderates Benjamin Kranzl, der an der Veranstaltung teilgenommen hatte.

Screenshot Facebook

Am Franziskanerplatz fand zeitgleich eine vom Funke Tirol initiierte Gegenkundgebung statt. Rund 70 Personen nahmen an der Protestaktion teil. Die Redner:innen kritisierten die Corona-Leugner:innen sowie die rechtsextreme Unterwanderung der Corona-Proteste, aber auch die kapitalfreundliche türkis-grüne Regierung und deren Versagen in der Corona-Krise.

Foto: Redaktion

Update: 10.1.2020, 11:30 Uhr